Glossar für Patientenbrief
Adhärenz:Adherence (engl. für Festhalten, Befolgen), im Deutschen auch Adhärenz, bezeichnet in der Medizin die Einhaltung der gemeinsam von Patient und Arzt gesetzten Therapieziele. Der Begriff ersetzt im angelsächsischen Sprachraum zunehmend den Begriff Compliance (engl. für Einverständnis, Einhalten, Fügsamkeit) in der Medizin.
AHB (Anschlussheilbehandlung) :
Eine Anschlussheilbehandlung (AHB) ist die im unmittelbaren Anschluss an einen Krankenhausaufenthalt erforderliche weitere Behandlung des Patienten in einer besonders spezialisierten Rehabilitationseinrichtung. Mit der AHB soll die ärztlich überwachte Wiederanpassung des Patienten an die Belastungen des Alltags- und Berufslebens erreicht werden. Als AHB gilt bei entsprechender medizinischer Indikation auch eine vom Krankenhaus noch während der klinischen Behandlung angeregte medizinische Rehabilitationsmaßnahme, wenn der Patient nicht direkt in die AHB-Einrichtung verlegt, sondern mit ärztlichem Einverständnis zunächst aus der stationären Behandlung nach Hause entlassen wird.
Eine derartige Unterbrechung soll grundsätzlich nicht mehr als 14 Tage betragen. Eine kurzfristige Überschreitung dieser Frist ist allerdings in Ausnahmefällen aus medizinischen Gründen möglich. Die AHB wird in der Regel zunächst für drei Wochen bewilligt; eine Verlängerung oder Verkürzung ist je nach Art und Schwere der Erkrankung sowie unter Berücksichtigung des Behandlungserfolges möglich.
AHB´en können auch ganztägig ambulant erbracht werden.
Allgemeine medizinische Voraussetzungen für eine AHB:
- Die Diagnose muss geklärt sein.
- Es muss sich um eine AHB-Indikation handeln.
- In jedem Fall ist Voraussetzung, dass Art und/oder Schwere der Krankheit eine Rehabilitationsleistung unverzüglich nach dem Krankenhausaufenthalt erforderlich machen. Die Notwendigkeit im Einzelfall wird von den beratenden Ärzten der Leistungsträger geprüft.
- Die Akutphase muss abgeklungen sein.
- Die Wundheilung muss abgeschlossen sein.
- Der Patient muss frühmobilisiert sein.
- Selbsthilfefähigkeit muss vorliegen (d.h. der Patient muss ohne fremde Hilfe inder Lage sein zu essen, sich zu waschen, sich anzuziehen, die Toilette zu benutzen und sich auf Stationsebene zu bewegen).
- Es muss Reisefähigkeit vorliegen, was bedeutet, dass der Patient in der Lage sein sollte, die Rehabilitationseinrichtung mit öffentlichen Verkehrsmitteln, not-falls im eigenen Pkw oder mit dem Taxi, zu erreichen. Ein Krankentransport sollte für die Verlegung in die AHB-Klinik in der Regel nicht erforderlich sein.
- Bei einer ganztägig ambulanten AHB ist es grundsätzlich erforderlich, dass die Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel zumutbar ist.
avisieren = ankündigen, informieren, unterrichten
Compliance :
Aus dem anglo-amerikanischen Sprachbereich übernommener Begriff zur Charakterisierung der Befolgung ärztlicher Ratschläge und Anordnungen. Compliance (engl.: Befolgung, Einalten) beinhaltet sowohl aktive Handlungen des Patienten, als auch Unterlassungen. Dazu gehören die regelmäßige Einnahme von Medikamenten, Einhaltung von Diätvorschriften, Erscheinen zu Kontrolluntersuchungen, Änderungen der Lebensgewohnheiten, die Befolgung der Ratschläge und Informationen.
Im medizinischen Sinne kann man Compliance also mit Therapietreue oder Bereitschaft des Patienten, bei diagnostischen und therapeutischen Maßnahmen mitzuwirken oder eine verordnete Therapie einzuhalten übersetzen.
Entlassungsmanagement:
Entlassungsmanagement ist eine stationsübergreifende Dienstleistung für PatientInnen im Krankenhaus. Sie dient zur rechtzeitigen Planung und Organisation der Entlassung von PatientInnen mit komplexem Betreuungsbedarf (therapeutisch, pflegerisch, sozial). Dabei wird der individuelle Versorgungsbedarf der PatientInnen für die Betreuung zu Hause erhoben und zum Zeitpunkt der Entlassung organisiert.
evozieren:
von lateinisch: ēvocāre = hervorrufen (aus ē, ex = heraus und vocāre = rufen)
Hypothese:
Als eine Hypothese (altgriechisch υπόθεσις - die Unterstellung, Voraussetzung, Grundlage) bezeichnet man in der Wissenschaft eine vorläufig durch Beobachtungen oder Überlegungen begründete Annahme oder Vermutung, die zur Erklärung bestimmter Phänomene dient und durch wissenschaftliche Verfahren wie z.B. eine klinische Studie oder ein Experiment überprüft werden kann.
Intervention :
lateinisch: intervenire = dazwischenkommen) bezeichnet das zielgerichtete Eingreifen einer bis dahin unbeteiligten Partei in eine Situation bzw. Problemlage.
Prävention:
Als Prävention (vom lateinischen prævenire „zuvorkommen, verhüten") bezeichnet man das Vorbeugen eines Ereignisses oder Effekts.
Kurzgefasst bedeutet Prävention Krankheitsvorbeugung oder Krankheitsverhütung, oft auch mit dem Begriff „Vorsorge“ wiedergegeben. Prävention hat zum Ziel, eine gesundheitliche Schädigung durch gezielte Aktivitäten zu verhindern, weniger wahrscheinlich zu machen oder zu verzögern.
Es lassen sich folgende 3 Stufen unterscheiden:
Primärprävention hat zum Ziel, die Gesundheit zu fördern und zu erhalten und die Entstehung von Krankheiten zu verhindern. Maßnahmen der Primärprävention können Individuen ebenso betreffen wie Personengruppen.. Sie umfasst im Vorfeld von Erkrankungen Maßnahmen der Förderung gesunder Lebensweise, der Hygiene und der Gesundheitserziehung sowie die Vermeidung von Risikofaktoren.
Die Sekundärprävention soll das Fortschreiten eines Krankheitsfrühstadiums durch Frühdiagnostik und -behandlung verhindern. Sie umfasst Maßnahmen zur frühzeitigen Entdeckung von Krankheiten. Solche Untersuchungen bei scheinbar Gesunden auf das Vorliegen bestimmter symptomloser Krankheitszeichen oder -vorzeichen nennt man „Screening“. Screening oder Früherkennung zielt darauf ab, Krankheiten bereits im Frühstadium zu erkennen und sie durch rechtzeitige Behandlung möglichst auszuheilen oder zum Stillstand zu bringen. Hierzu gehört das gesetzliche Krankheitsfrüherkennungsprogramm, das von allen Krankenversicherten genutzt werden kann.
Als Tertiärprävention wird die Vermeidung der Verschlimmerung von bereits manifest gewordenen Erkrankungen bezeichnet. Ziel ist es, Folgeschäden (Defekte, Behinderungen) einer eingetretenen Erkrankung zu vermeiden oder abzumildern. Beispiel hierfür sind Patientenschulungsprogramme aber auch Rehabilitationsmaß-nahmen.
In einigen Fällen können sich die genannten Komponenten der Prävention überschneiden.
Procedere
von lateinisch: procedere = voranschreiten
Unter Procedere versteht man eine definierte oder wahrscheinliche Aufeinanderfolge. Der Ablauf kann vorgegeben sein, meist aber auch eigenständig gestaltet werden.
Risikofaktor
Ein Risikofaktor ist in der Medizin ein Befund, ein Laborwert, ein Umstand oder eine Verhaltensweise des Patienten, die eine Gefährdung für eine oder mehrere Krankheiten deutlich über das allgemeine Krankheitsrisiko hinausgehende Maß statistisch nachweisbar ansteigen lassen.
